Von röhrenden Schwirlen und quietschenden Rohrsängern

Die letzte Woche (vom 18. bis 25.7.2020) verbrachten wir zu Dritt in der Reit. Wir, das ist zum einen Jutta, die die Reit schon in- und auswendig kennt, und zum anderen Leo und Luis, die dieses Jahr zum ersten Mal hier sind. Entsprechend groß war unsere Neugier, wie es hier wohl alles funktioniert. Obwohl wir uns vorher nicht kannten, verstanden wir uns auf Anhieb bestens und weil Jutta die üblichen Abläufe der Station so gut erklärte, stand einer genussvollen und ereignisreichen Woche nichts mehr im Weg.

Frühstück mit Ei auf der Sonnenterrasse – und gleich 12 Vögel in der nächsten Kontrolle…!
Jutta, Volker, Luis & Leo

Das Wetter war insgesamt recht wechselhaft, längere Regenperioden blieben aber aus und wir konnten an allen Tagen auch etwas Sonne genießen. Auch abends war es teilweise klar, sodass wir glücklicherweise sogar den Kometen beobachten konnten.

Warten auf den Kometen Neowise – in Hamburg erst nach der Dunkelkontrolle gegen 23.30h möglich: hier ist es einfach zu lange hell…

Mit durchschnittlich etwa 40 Erstfängen pro Tag blieb das Kontrollieren der Netze und die Bedingung in entspanntem Rahmen und ließ gerade zur Mittagszeit Gelegenheit für andere Tätigkeiten. So konnten wir beiden Neulinge uns auch einmal den Rest der Reit anschauen und die Umgebung erkunden. Zudem mähten wir einmal beide Fanggärten, damit die Netze nicht im Schilf einwachsen und malten die Netznummern noch einmal deutlich auf die Stege, nachdem diese inzwischen doch schon etwas ausgeblichen waren.

Endlich wieder klar erkennbar, wo man die Vögel rauspult… Und in den Stunden der Maler-Arbeiten gleich VIER Eisvögel in den Netzen!!! Also Leute: das Anstreichen lohnt sich!

Unter den gefangenen Vögeln waren natürlich die üblichen Verdächtigen wie Teich- und Sumpfrohrsänger sowie Rohrammern aus allen Altersklassen. Zudem gab es fast täglich mindestens einen neuen Eisvogel. Besonders freuten wir uns über einen Eichelhäher, zwei junge Drosselrohrsänger (die ihre kleineren Verwandten wirklich problemlos in den Schatten stellen), einige Blaukehlchen und eine Sumpfmeise (die uns zunächst ganz schön ins Grübeln brachte, sieht sie doch ihrer Zwillingsart, der Weidenmeise, sehr ähnlich).

Drosselrohrsänger im Porträt und…
… mit seinem Beringer Luis.

Auch außerhalb der Netze war einiges unterwegs. So begrüßte uns am Anreisetag ein kreisender Schwarzmilan, vernehmlich und ausdauernd sang ein Rohrschwirl direkt gegenüber der Station, verschiedenste Libellenarten präsentierten ihre Flugkünste, drei junge Feldhasen kamen nachts zu Besuch, Bienen sammelten fleißig Pollen, ein Paar Höckerschwäne führte seinen Jungvogel in den Gräben herum, täglich grüßten Grün- und Kleinspecht und mit überfliegenden Waldwasserläufern und Großen Brachvögeln kündigt sich langsam der Beginn der Herbstzugzeit an, die den nachfolgenden Stationsbesatzungen hoffentlich noch viele schöne Fänge und Beobachtungen beschert.

Die Woche zeigte uns beiden Neulingen eindrucksvoll, wie schön dieser kleine Flecken Erde doch ist, wir haben viel gelernt, toll gekocht und uns fest vorgenommen, bald wieder hierher zu kommen.

Es grüßen Euch Jutta, Leo und Luis

Luis, Sumpfmeise und Leo auf der Reit

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