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Netze hoch, der Spaß beginnt! – Saisonauftakt 2021

Schwülwarmes Juniwetter und kurze Regenschauer versprachen einen schweißtreibenden Aufbau der Netze für die Fangsaison 2021, doch dank geballter Kompetenz und kulinarischer Stärkung wurden innerhalb weniger Stunden über 360 Meter Japannetze in den beiden Fanggärten ausgebracht. Nur das auf den Netzstangen unter dem Beobachtungsturm brütende Grauschnäpper-Paar schien dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung machen zu wollen, sodass kurzerhand noch neue Stangen aus dem Baumarkt geholten werden mussten, um das Nest nicht zu zerstören.

Grauschnäpper-Weibchen mit erbeuteter Feuerlibelle für die Küken im Nest unter dem Beobachtungsturm. (Foto: J. Baudson)

Der erste Fangtag am 30.06. verlief höchst erfolgreich und übertraf die am Vorabend abgeschlossenen Wetten deutlich! 130 Vögel aus 23 Arten konnten an diesem Tag vom vierköpfigen Stationsteam gefangen und beringt werden! Teichrohrsänger, Blaumeise und Zilpzalp waren dabei, wie nicht anders zu erwarten, die häufigsten Fänglinge. Als erstes Highlight des Tages verfing sich eine weibliche Waldohreule im Waldnetz und wenige Stunden später folgte eine weibliche Reiherente aus dem berüchtigten „Eisvogel-Netz“. Erstere stellt den frühesten Fang ihrer Art, zweitere die fünfte Beringung einer Reiherente überhaupt für die Station dar.

Weibliche Waldohreule nach der Beringung. (Foto: J. Baudson)

In den folgenden Tagen stagnierten die Fangzahlen, während der Autan-Verbrauch deutlich zunahm. Die sonnenreichen, aber fangschwachen Nachmittagsstunden nutzen wir zum Nummerieren der neuen Stege im vorderen Fanggarten, aber auch zum Beobachten und Erfassen anderer Artgruppen im Naturschutzgebiet. Vor allem den Libellen und („Nacht-“)Schmetterlingen galt unsere Aufmerksamkeit, sodass wir insgesamt 29 Arten während unseres elftägigen Aufenthalts nachweisen konnten (15 Libellen und 14 Schmetterlinge)!

Keilfleck-Mosaikjungfer (oben) und Früher Schilfjäger (unten). (Fotos: J. Baudson)
Der seltene Große Weiden-Glasflügler (oben) konnte ebenso wie mehrere Exemplare des Mondvogels (unten) aus den Fangnetzen befreit werden. (Fotos: L. Paß)

Belohnt wurden wir am 07.07. mit einem außerordentlich artenreichen Fangtag: 36 Vögel aus 21 Arten wurden im Beringerzimmer bearbeitet und anschließend wieder frei gelassen! Die „Masseart“ Teichrohrsänger war dabei nur mit vier Individuen vertreten, während der kontrastreiche Schilfrohrsänger mit überraschenden sieben Erstfängen den „ersten Platz“ belegte. Stieglitz, Nachtigall und eine junge Wasserralle rundeten den Tag ab.

Wasserralle im Übergang vom Dunen- ins Jugendkleid (links) und vorjähriges Weibchen (rechts) nach der Beringung. (Fotos: J. Baudson)

Ein schwerer Fang erwartete uns am Morgen des 09.07. im vorderen Fanggarten. Bereits am Eingang war das Klappern der Netzstangen zu hören, was umso verwunderlicher war, da über die gesamte Netzlänge kein großer Vogel zu entdecken war. Erst beim vorsichtigen Blick in das Netz Nr. 44 entpuppte sich der mysteriöse Vogel als weibliche Stockente, die in eine der oberen Netztaschen geflogen war. Trotz eines kurzen Sprints unsererseits konnte sich der Vogel wieder aus dem Netz befreien, aber gerade noch im Wegfliegen aus der Luft gegriffen werden. Mit sage und schreibe 1004 g war dies der größte Fang unseres Aufenthalts.

Weibliche Reiher- (links) und Stockente (rechts) nach der Beringung. (Fotos: J. Baudson)

Am 10.07. verabschiedeten wir uns von der Reit, aber nicht ohne uns bereits für das kommende Jahr angemeldet zu haben! 372 Vögel aus 37 Arten konnten wir in den vergangenen elf Tagen beringen bzw. kontrollieren. Das entspricht einem Gesamtgewicht von über 10 kg lebender Vögel, die wir auf einer gemeinsam zurückgelegten Fahrradstrecke von fast 200 km zur Station bringen konnten!

Wir wüschen allen kommenden Stationsteams einen ebenso tollen Aufenthalt in bester Gesellschaft, viele unerwartete und spannende Fänge und weniger hungrige Mücken!

Jonas, Lisa, Lukas und Denise

Beobachtete Libellen- und Schmetterlingsarten:

  • Westliche Weidenjungfer (Lestes viridis)
  • Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella)
  • Fledermaus-Azurjungfer (Coenagrion puelchellum)
  • Großes Granatauge (Erythromma najas)
  • Große Pechlibelle (Ischnura elegans)
  • Braune Mosaikjungfer (Aeshna grandis)
  • Keilfleck-Mosaikjungfer (Aeshna isoceles)
  • Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta)
  • Große Königslibelle (Anax imperator)
  • Früher Schilfjäger (Brachytron pratense)
  • Feuerlibelle (Crocothemis erythraea)
  • Vierfleck (Libellula quadrimaculata)
  • Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)
  • Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum)
  • Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum)
  • Großer Weiden-Glasflügler (Sesia bembeciformis)
  • Weidenbohrer (Cossus cossus)
  • Großer Kohl-Weißling (Pieris brassicae)
  • Admiral (Vanessa atalanta)
  • Tagpfauenauge (Aglais io)
  • Kleiner Fuchs (Aglais urticae)
  • C-Falter (Polygonia c-album)
  • Großes Ochsenauge (Manolia jurtina)
  • Grasglucke (Euthrix potatoria)
  • Mondvogel (Phalera bucephala)
  • Weißlichgelbe Grasbüscheleule (Apamea lithoxylaea)
  • Große Grasbüscheleule (Apamea monoglypha)
  • Hausmutter (Noctua pronuba)
  • Abendpfauenauge (Smerinthus ocellata)

Von röhrenden Schwirlen und quietschenden Rohrsängern

Die letzte Woche (vom 18. bis 25.7.2020) verbrachten wir zu Dritt in der Reit. Wir, das ist zum einen Jutta, die die Reit schon in- und auswendig kennt, und zum anderen Leo und Luis, die dieses Jahr zum ersten Mal hier sind. Entsprechend groß war unsere Neugier, wie es hier wohl alles funktioniert. Obwohl wir uns vorher nicht kannten, verstanden wir uns auf Anhieb bestens und weil Jutta die üblichen Abläufe der Station so gut erklärte, stand einer genussvollen und ereignisreichen Woche nichts mehr im Weg.

Frühstück mit Ei auf der Sonnenterrasse – und gleich 12 Vögel in der nächsten Kontrolle…!
Jutta, Volker, Luis & Leo

Das Wetter war insgesamt recht wechselhaft, längere Regenperioden blieben aber aus und wir konnten an allen Tagen auch etwas Sonne genießen. Auch abends war es teilweise klar, sodass wir glücklicherweise sogar den Kometen beobachten konnten.

Warten auf den Kometen Neowise – in Hamburg erst nach der Dunkelkontrolle gegen 23.30h möglich: hier ist es einfach zu lange hell…

Mit durchschnittlich etwa 40 Erstfängen pro Tag blieb das Kontrollieren der Netze und die Bedingung in entspanntem Rahmen und ließ gerade zur Mittagszeit Gelegenheit für andere Tätigkeiten. So konnten wir beiden Neulinge uns auch einmal den Rest der Reit anschauen und die Umgebung erkunden. Zudem mähten wir einmal beide Fanggärten, damit die Netze nicht im Schilf einwachsen und malten die Netznummern noch einmal deutlich auf die Stege, nachdem diese inzwischen doch schon etwas ausgeblichen waren.

Endlich wieder klar erkennbar, wo man die Vögel rauspult… Und in den Stunden der Maler-Arbeiten gleich VIER Eisvögel in den Netzen!!! Also Leute: das Anstreichen lohnt sich!

Unter den gefangenen Vögeln waren natürlich die üblichen Verdächtigen wie Teich- und Sumpfrohrsänger sowie Rohrammern aus allen Altersklassen. Zudem gab es fast täglich mindestens einen neuen Eisvogel. Besonders freuten wir uns über einen Eichelhäher, zwei junge Drosselrohrsänger (die ihre kleineren Verwandten wirklich problemlos in den Schatten stellen), einige Blaukehlchen und eine Sumpfmeise (die uns zunächst ganz schön ins Grübeln brachte, sieht sie doch ihrer Zwillingsart, der Weidenmeise, sehr ähnlich).

Drosselrohrsänger im Porträt und…
… mit seinem Beringer Luis.

Auch außerhalb der Netze war einiges unterwegs. So begrüßte uns am Anreisetag ein kreisender Schwarzmilan, vernehmlich und ausdauernd sang ein Rohrschwirl direkt gegenüber der Station, verschiedenste Libellenarten präsentierten ihre Flugkünste, drei junge Feldhasen kamen nachts zu Besuch, Bienen sammelten fleißig Pollen, ein Paar Höckerschwäne führte seinen Jungvogel in den Gräben herum, täglich grüßten Grün- und Kleinspecht und mit überfliegenden Waldwasserläufern und Großen Brachvögeln kündigt sich langsam der Beginn der Herbstzugzeit an, die den nachfolgenden Stationsbesatzungen hoffentlich noch viele schöne Fänge und Beobachtungen beschert.

Die Woche zeigte uns beiden Neulingen eindrucksvoll, wie schön dieser kleine Flecken Erde doch ist, wir haben viel gelernt, toll gekocht und uns fest vorgenommen, bald wieder hierher zu kommen.

Es grüßen Euch Jutta, Leo und Luis

Luis, Sumpfmeise und Leo auf der Reit